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Nils Alfringhaus, iba-INSTITUT, startete die Vortragsreihe mit einem Fallbeispiel einer schadhaft gewordenen Schnellzement-Estrichkonstruktion in der Produktionshalle eines Motorenbauers und erläuterte anschaulich die Probleme mit solchen Estrichen in der Praxis.
Dipl.-Ing. Peter Scharping, Leiter der Anwendungstechnik Süd der PCI Augsburg GmbH referierte zum Thema "Schnellzementestriche der neuen Generation: sicher in der Anwendung, schnell belegereif?".
Dabei wurde herausgestellt, daß Schnellzementestriche dann funktionieren, wenn die Baustellenbedingungen geeignet und Bauabläufe sorgfältig koordiniert werden: wenn ein Schnellzementestrich seine Belegereife erreicht hat, muß dieser Estrich zu diesem Zeitpunkt zwingend auch mit Oberböden belegt werden. Andernfalls nimmt ein Schnellzement ansonsten wieder Feuchte auf: Schüsselungen und Verformungen wären die Folge. Scharping stellte auch Innovationen vor, so gibt es heute Schnellzemente für Estriche, die bereits bei 3,0 CM-% Belegreif sind.
Anschließend leitete Nils Alfringhaus, iba-INSTITUT, zum nächsten Thema mit einem Fallbeispiel einer schadhaft gewordenen beschleunigten Estrichkonstruktion in einem Wohnhaus über und stellte die Probleme für das bodenlegende Handwerk mit solchen Estrichen heraus, die besonders bei der Feuchtemessung Schwierigkeiten bereiten.
Heike Oberst, Technische Geschäftsführerin der Estrolith GmbH & Co. KG informierte die Teilnehmer über Estriche mit Trocknungsbeschleuniger und befaßte sich mit der Frage: "Sind solche Estriche sicher und rechtzeitig zu belegen?".
Die Referentin erläuterte anschaulich den Zusammenhang zwischen der Festigkeitsentwicklung in Abhängigkeit von Beschleunigern, deren Restfeuchte und Belegereife. Es wurde auch kritisch darauf eingegangen, daß durch Dispersionskleber und wasserbasierte Vorstriche große Mengen Wasser in den an sich belegereifen Estrich eingebracht werden. Diese Problematik werde bei der Beurteilung von Schäden nicht genügend berücksichtigt.
Dann führt Nils Alfringhaus, iba-INSTITUT, in das Thema der Feuchtemessung ein und beschrieb an einem Fallbeispiel die Fallstricke der nicht unkomplizierten CM-Messung für den Handwerker, der ja nun kein Meßtechniker ist.
Dr. Frank Radtke, CPM Chemische-Physikalische Meßtechnik AG, stellte sich als Meßgerätehersteller der derzeit kritisch geführten Diskussion über den Sinn und Zweck der CM-Methode.
Unter dem Thema "Estrichfeuchte messen - CM-Methode, aber richtig! Auch für Schnellestrich geeignet?" wurde die Vorgehensweise bei der CM-Methode erläutert, und auf Fehlerquellen sowie Lösungsmöglichkeiten hingewiesen. Radtke war der Meinung, daß das Ergebnis der Messung in CM-% den gleichen Meßwert in Gewichts-% der Darrmethode ergibt. Als Begründung wurde festgestellt, daß das gesamte freie Wasser, daß im Estrich verfügbar ist, mit dem Calciumcarbid im Prüfgerät reagiere, wie dies in ähnlicher Weise bei der gravimetrischen Feuchtigkeitsmessung durch Trocknung geschieht.
Schließlich beschrieb Nils Alfringhaus, iba-INSTITUT, mit einem Fallbeispiel das Risiko der elektrischen Feuchtigkeitsmessung, wenn vorher keine CM-Messung vorgenommen und das Meßgerät nicht für den zu prüfenden Estrich geeicht wurde.
Hierzu bezog Walter Denzel, DNS Denzel, als Vertreter der Hersteller elektrischer Prüfgeräte und Verfechter der elektrischen Feuchtigkeitsmessung Posten und stellte sich dem Thema "Estrichfeuchte: Elektrisch zuverlässig messen?".
Er stellte vor allem die Bedeutung der 20°C-Ausgleichsfeuchteangabe in den Vordergrund: Ohne 20°C-Ausgleichsfeuchteangabe - keine Belegereife-Beurteilung! Auf Baustellen müsse man wissen, welchen 20°C-Ausgleichsfeuchtewert (mitteleuropäisches Wohnklima) ein Baustoff annehmen kann (0-Wert), um daran den noch vorhandenen Restfeuchtewert ermitteln und für die Belegereife beurteilen zu können. Ferner problematisierte Denzel, daß heute mehr CEM-II-Zemente eingesetzt werden, die eine unterschiedliche Ausgleichsfeuchte besitzen.
Podiumsdiskussion - beschleunigte Estriche und Schnellestrich: Immer schnell verlegereif? Feuchte messen, aber wie? Pro & Kontra:
In einer ersten Diskussionsrunde moderierte Dipl.-Ing. (FH) Rolof die Fragen des Auditoriums an die Referenten. Dabei wurde vom Rechtsanwalt Lichtenberger klargestellt: Wenn Hersteller andere Eigenschaften ausloben, als dies üblicherweise der Fall ist, sollte sich der Handwerker diese Vorgaben schriftlich bestätigen lassen: "(
) Der Auftragnehmer haftet für das Bausoll: der Estrichleger für die Belegereife bei Schnellzementestrichen oder Estrichen mit Trocknungsbeschleunigern. Der Bodenleger für den mangelfrei verlegten Oberboden. Das muß der Handwerker immer wissen (
)". Herr Dipl.-Ing. Scharping stellte heraus, daß Schnellzemente heute keine risikoreiche Ausführung mehr darstellen, allerdings die Baufreiheit immer gegeben sein muß. Frau Heike Oberst warnte vor Erzeugnissen, bei denen der Hersteller bei der Prüfung der Restfeuchte des Estrichs einen prozentualen Abzug vom Meßergebnis verlangt: "(
) Das stellt die Bauphysik auf den Kopf. Vertrauen Sie nicht auf diesen Abzug, glauben Sie ihrem Meßwert bei der CM-Prüfung (
)", so der Appell von Oberst. Auf Nachfrage erläuterte Dr. Radtke "(
) Auch für die CM-Messung arbeiten wir an einer Optimierung der Methode. Durch einen Hohlbohrer soll das Prüfgut ohne nennenswerte thermische Einwirkung entnommen werden können (
)". In der Diskussion präzisierte Herr Denzel, daß die Kalibrierung seiner Feuchtemeßgeräte an 5 cm dicken "Norm"-Estrichen erfolge. "(
) Dickere Estriche werden durch einen höheren Feuchtigkeitswert berücksichtigt (
)", so Denzel zu seiner Meßmethode, die auf der kapazitiven Feuchtemessung basiert und daher nicht durch Salze in Baustoffen beeinflußt wird, wie bei der Leitfähigkeitsmessung.
Dipl.-Ing. (FH) Hans-Joachim Rolof, ö.b.u.v. Sachverständiger, berichtete aus der Sachverständigenpraxis des iba-INSTITUT über Schäden an Estrichen und Oberböden.
Dabei wurden Fallbeispiele aufgezeigt, bei welchen zum einen zu hohe Restfeuchte der Schüttung, zu hohe Estrichfeuchte und fehlende Dampfsperren zu Blasen und Beulen an elastischen Bodenbelägen oder Verfärbungen von Naturstein führten. Nicht immer aber war es die Restfeuchte, die zum Schaden führte: fehlende Entwässerung, zu wenig Klebstoff oder zu frühes abdecken mit dampfdichten Schutzschichten sind oftmals auch die Ursache für Stippnähte bei Synthesekautschuk-Bodenbelägen oder schrumpfende Nähte bei Nadelvlies. Hinzu kommt ein kritisches Maßänderungsverhalten von PVC-Bodenbelägen, wie Rolof zu berichten wußte.
Den Abschluß der Technik-Vorträge führte Uwe Elvert, Leitung Technik Boden der Henkel KGaA Bautechnik Deutschland, Düsseldorf und referierte zur schnellen Belegereife ohne Feuchtemessung als alternative Vorstriche aus PU oder EP und deren Funktionsweise.
Bei solchen Systemen liegen nach seinen Kenntnissen mittlerweile Erfahrungen über längere Zeiträume vor, und stellen deshalb echte Alternativen zu Schnellbauprodukten dar. Elvert wies darauf hin: den gesunden Menschenverstand kann auch das beste Produkt nicht ersetzen! Prüfen bleibt daher Pflicht, da auch solche Systeme nur auf Estrichen oder Beton eingesetzt werden dürfen, die nur noch eine bestimmte Restfeuchte aufzeigen, die aber erheblich über den geringen Werten der Haushaltsfeuchte für die übliche Belegereife liegen.
Mit Spannung erwartet nahm Rechtsanwalt Albert Lichtenberger aus der Kanzlei Köppe, Straub, Stauffer, Schwemmle & Kollegen, Filderstadt aus juristischer Sichtweise zu den Feuchtigkeitsmeßmethoden Stellung.
Er betonte, daß der Handwerker vor Ort eine Meßmethode braucht, mit der in kurzer Zeit viele Meßwerte zu erzielen sind, da viele Flächenmessungen an der Oberfläche erforderlich seien, die einen Rückschluß auf die Belegereife geben würden. Die anwesenden Unternehmer des bodenlegenden Handwerks wurden dazu sensibilisiert, sich die Belegereife durch den Estrichleger schriftlich bestätigen zu lassen. Denn nur der Estrichleger weiß, wie dick der Estrich ist, welche Zusatzmittel enthalten sind, wann die Belegereife laut Hersteller gegeben sein soll und mit welcher Meßmethode dies zu überprüfen ist. Dies gelte immer dann, wenn kein konventioneller Estrich vorliegen würde. Dem Bodenleger sei vielfach aber gar nicht bekannt, um welchen Estrich es sich als Untergrund bei Bodenbelagsarbeiten tatsächlich handelt. Deshalb sei die Zusicherung der Belegereife durch den Estrichleger eben aus Sicht des Fachanwalts für das Bau- und Architektenrecht so wichtig, weil der Bodenleger sonst in eine Haftungsfalle tappt. An neuen Urteilen erläuterte der Referent das gestiegene Haftungsrisiko für Planer, Bauleiter und das ausführende Handwerk.
Podiumsdiskussion - Baurecht, Schuldrecht, Vergaberecht, Werkvertragsrecht:
in der abschließenden zweiten Diskussionsrunde ging es vor allem um das heiße Thema der Feuchtemessung aus juristischer Sicht: "(
) Es gibt keine Norm, die den Handwerker zwingt, eine bestimmte Methode anzuwenden (
)". Lichtenberger gab den Tip: "(
) Machen Sie erst eine CM-Messung, eichen Sie ihr elektrisches Meßgerät an dieser Stelle und machen Sie dann weitere Messungen zerstörungsfrei (
)". Dabei stellte Lichtenberger aber auch heraus: "(
) Ich halte die CM-Methode aber für kritisch: sie ist fehleranfällig und sollte daher nur von sehr geübten Personen durchgeführt werden. Das Handwerk braucht aus meiner Sicht einfache Methoden mit zuverlässigen Ergebnissen, die schnell für Flächenmessungen aussagefähig sind. Alles andere sind Verfahren für Gutachter, die in der Praxis nicht taugen (
)". Es folgte ein reger Meinungsaustausch mit dem Podium und Auditorium. Schließlich verabschiedete Dipl.-Ing. (FH) Rolof die Teilnehmer, die sich überwiegend positiv zum Seminar äußerten. Besonders gefallen hat auch die Ausstellung, so daß in den Kaffeepausen ebenfalls aktiv zum Thema diskutiert wurde.
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Welche Methode wird tatsächlich angewendet? Wer mißt elektrisch, wer die CM-%? Welche ist die allgemein anerkannte Meßmethode?
Im Rahmen des Seminars wurde durch das iba-INSTITUT eine Umfrage zur Methode der Feuchtemessung unter den Teilnehmern durchgeführt. Daran beteiligten sich 75% der Teilnehmer. Die Befragten setzten sich wie folgt zusammen: 30% Vertreter der Bodenbelags-, Klebstoff- und Verlegewerkstoffindustrie, 23% Sachverständige, 16% Bodenleger, 9% Estrichleger, 7% Architekten/Bauleiter, 5% Meßgerätehersteller und 10% Sonstige.
Das sagten die Teilnehmer - so wird gemessen:
| Elektrische Feuchtemessung (ausschließlich): |
14% |
| CM-Methode (ausschließlich): |
21% |
| Elektrische Feuchtemessung und CM-Methode: |
65% |
| Darrprüfung: |
19% |
| Mikrowellenprüfung: |
2% |
Anmerkung: es waren zusätzlich zu elektrischer und CM-Methode auch Nennungen von Alternativen (Darrprüfung usw.) erlaubt! Besonders Sachverständige messen Feuchte in Baustoffen vor Ort und im Labor (Darrmethode), so daß mehr als 100% Nennungen resultieren.
Von den 65% Teilnehmern, die angaben beide Meßverfahren zu nutzen, vermerkten 71%, daß die elektrische Feuchtemessung als Vorprüfung durchgeführt werde, um eine Prüfstelle für die CM-Messung festzulegen.
CM-Methode: In der Praxis bewährt?
Es wurde weiter nach den Erfahrungen mit der CM-Methode gefragt. 77% der Teilnehmer gaben an, gute Erfahrungen gemacht zu haben, 26% schlechte und 7% gaben an keine Erfahrungen mit der Meßmethode zu haben (es waren Mehrfachnennungen erlaubt!). Die Begründungen für gute Erfahrungen reichten dabei von "schon seit 20 Jahren ohne Probleme" über "zuverlässig, wenn richtig gemacht" bis zu "gerichtlich anerkannt". Die schlechten Erfahrungen betrafen insbesondere die Zeitaufwendigkeit des Meßverfahrens und die fehlende Reproduzierbarkeit der Messung.
Elektrische Prüfmethode: immer beliebter!
Hinsichtlich der elektrischen Meßmethode wurde von 58% der Teilnehmer angegeben, gute Erfahrungen gemacht zu haben, 23% schlechte und 19% gaben an, keine Erfahrungen zu haben. Die Begründungen für gute Erfahrungen reichten dabei von "genau" über "viele Meßstellen in kurzer Zeit" bis zu "optimale Vorprüfung". Als schlechte Erfahrungen wurden die fehlenden Langzeiterfahrungen, "nur vergleichende/relative Messung möglich", "nicht bei überheizten Estrichen" und die "große Streuung" der Meßergebnisse angegeben.
Die Branche ist gespalten: Verfechter beider Methoden uneins
Im Ergebnis des Seminars sahen sich 72% der Befragten in ihrer bisherigen Vorgehensweise bestätigt, bei 14% herrschte Verunsicherung. 53% sprachen sich dafür aus, daß die elektrische Meßmethode in die Merkblätter von Verbänden aufzunehmen, wobei 19% einschränkten, die elektrische Feuchtemessung nur als Vorprüfung zuzulassen oder dann anzuwenden wenn für die bekannten Estriche auch anerkannte Vergleichswerte der Darrprobe vorliegen.
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