Wie in den vorangegangenen Jahren wurde das iba-BauFach-Symposium in Höhr-Grenzhausen bei Koblenz von zahlreichen Fachleuten aus dem Baugewerbe besucht. Architekten, Planer, Ausschreibende, Sachverständige, Maler, Stuckateure, Vertreter des verarbeitenden Handwerks, der Industrie und der Wohnungswirtschaft haben die Gelegenheit ergriffen und an dem BauFach-Symposium des iba-INSTITUTs am 11.03.2010 teilgenommen. In diesem Jahr lautete das Thema "Fassade & Raum: richtig dämmen, fehlerfrei verputzen - energetisch optimal". Kompetente Referenten erläuterten die Neuerungen auf dem Gebiet der energetischen Optimierung der Fassade oder der alternativen, kapillaraktiven Wärmedämmung. Ebenso wurde über Risiken, mögliche Schadensbilder und deren Ursachen diskutiert.
Dipl.-Ing. (FH) Hans-Joachim Rolof, ö.b.u.v. Sachverständiger, berichtete aus der umfangreichen Sachverständigenpraxis des iba-INSTITUT über Schäden und deren Ursachen an Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS). In zahlreichen Fallbeispielen wurden Schäden dargestellt, die durch falsch geplante oder fehlerhaft ausgeführte Fensterbänke, Dachrandabschlüsse, nachträglich verlegte Elektrokabel oder auch überproportionale Putzdicken verursacht wurden. Hans-Joachim Rolof wies in seinem Vortrag vor allem auf die oft mangelhafte oder gar fehlende Detailplanung hin, und erläuterte worauf bei der Planung und Bauausführung besonderer Wert gelegt werden muss. Andernfalls resultieren Schadensbilder wie Risse, Ablösungen von Putz und Farbe, Schäden infolge von Spritzwasser, Fassadenverschmutzung oder Algenbefall. "(
) Der beste Schutz gegen diese Schadensbilder ist Sorgfalt bei der Planung und Ausführung. Ebenso die Beachtung konstruktiver Maßnahmen, wie z.B. ausreichende Dachüberstände (
)", so Rolof.
Dr.-Ing. Markus Hildebrand, ö.b.u.v. Sachverständiger für Putze und WDVS, Leiter Qualitätssicherung & Anwendungstechnik, Saint-Gobain Weber GmbH, Weilerswist, erläuterte das Thema der Standsicherheit bei WDVS im Hinblick auf die neue Windlastnorm. Dr.-Ing. Hildebrand referierte über die Vielfalt der Befestigungsarten und -mittel von WDVS, über die Untergrundvorbereitung sowie Anforderungen an den Untergrund und Prüfmaßnahmen. "(
) In den meisten Fällen versagt die Befestigung eines WDVS unmittelbar an der Untergrundoberfläche (
)", erklärte Hildebrand. Der Referent erläuterte das Tragverhalten von WDVS im Unterschied einer Verklebung gegenüber der Verdübelung. Abgegrenzt wurde dabei das Einsatzgebiet mechanischer Befestigungsmittel gegenüber den sogenannten Klebeankern. Weiterhin wurde anhand von Beispielen aus der Praxis auch über die Vermeidung von Schäden diskutiert.
Dipl.-Ing. Markus Kammerer, Leiter Internat. Produktmanagement & Technik, bei der Sto AG in Stühlingen referierte zum Thema " Alternative Befestigung von WDVS: Klebeschaum statt Dübel - risikolos und praxisbewährt?". Dipl.-Ing. Kammerer erklärte die Funktionsweise der Befestigung von WDVS mittels PU-Schaum und deren möglicher Einsatzgebiete in der Praxis. Die Eigenschaften von PU-Schaum als WDVS-Klebeschaum wurden während des Vortrages anhand des Vergleichs mit mineralischem Klebemörtel aufgezeigt. Dabei wurde herausgestellt, daß WDVS-Klebeschaum sehr hohe Abreißfestigkeiten erreicht und eine frühe Anfangshaftung erzielt wird. "(
) Bei der Ausführung ist jedoch zu beachten, daß der PU-Schaum nachexpandiert, so daß die Dämmplatten nach ca. 5 bis 12 Minuten nochmals angedrückt werden müssen und mit einer Wasserwaage eine planebene Oberfläche hergestellt werden muß (
)", erläuterte Kammerer.
Dipl.-Ing. (FH) Nils Alfringhaus, iba-INSTITUT, Düsseldorf, Koblenz, Stuttgart, hielt einen Vortrag mit dem Thema: "EnEV 2009: Fallstrick für Planer - Haftungsfalle für das Handwerk? Auswirkungen und Änderungen der EnEV 2009 in neuer Fassung: Wärmedämmung für Neubau oder Bestand richtig planen und ausführen". Nils Alfringhaus gab einen Rückblick auf die Entwicklung der EnEV und welche Auswirkungen diese auf die Baubranche hat. Das Ziel der EnEV ist die Verringerung des CO2-Ausstosses, der Weg dahin ist die Einsparung des Energiebedarfs bei Gebäuden. Im Vortrag wurde erläutert, welche Änderungen und Verschärfungen sich seit der Novellierung der EnEV im Jahr 2009 im Vergleich zum Jahr 2007 ergeben haben. Für Außenwände gilt es nach der EnEV 2009 einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,24 W/(m²K) statt dem bisherigen Wert von 0,35 W/(m²K) zu erreichen. Der Zuhörer erhielt auch einen Einblick in die möglichen Anforderungen, die aus der bereits angekündigten EnEV 2012 folgen könnten.
Frau Dr. Nicole Borho, RMI Dr. Robert-Murjahn-Institut, Ober-Ramstadt, referierte zum Thema: "Auswaschung von Bioziden aus Putzen & Farben: Risikopotentiale - Nutzen von Algiziden & Fungiziden". Die Referentin stellte das Programm des Fraunhofer Institut für Bauphysik "zur Prüfung der Wirksamkeit von Bioziden in Putzen und Beschichtungen" vor. Der Versuch zeigte, dass der Einsatz von Bioziden in Putzen und Farben langfristig wirksam gegen Pilz- und Algenbefall auf Fassaden sein kann. Dabei muß jedoch beachtet werden, daß Wirkstoffe gegen Algen und Pilze durch Bewitterung in den Wasserkreislauf gelangen können, da diese wasserlöslich sind. "(
) Wir arbeiten derzeit an der Entwicklung eines einheitlichen, genormten Verfahrens zur Bestimmung der Auswaschung von Substanzen aus Beschichtungen (
.)", wies Dr. Borho darauf hin, daß von verschiedenen Instituten unterschiedliche Meßansätze (Probengröße, Höhenlage, u.a.) ausgewählt wurden, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, was die Dimensionen der Auswaschungen angeht.
Uwe Spreng, Bauberatung der SCHWENK Putztechnik GmbH & Co. KG, Ulm, berichtete über "Einsatz von Wandheizungssystemen: Verputzen von Wandheizungssystemen - Hinweise zur Planung und Ausführung: Zusatznutzen oder Risiko?". Der Vortrag konnte den Zuhörer vom Nutzen von Flächenheizungen bzw. -kühlungen an Wänden durch zahlreiche aufgezeigte Vorteile, wie niedrige Vorlauftemperaturen, Eignung für Allergiker, und die leichte Nachrüstung überzeugen. Allerdings berge auch dieses System Nachteile: solchermaßen ausgerüstete Wände müssen später frei von Möbeln bleiben und es darf nicht nach Belieben gebohrt werden. Wenn ein Bild die Wand zieren soll, dann muß es schon vor dem Einbau der Flächenheizung eingeplant werden. Bei dem Vortrag wurde ebenfalls die Vorgehensweise beim Einbau von Flächenheizungen erläutert und welche Materialien dafür in Frage kommen.
Daniel Lutz, Produktmanagement GIF Afloor/GIF Atec, Knauf Gips KG, Iphofen, hielt einen Vortrag über: "Fertigteilestrich mit eingelegter Fußbodenheizung: Altbausanierung & nachträglicher Einbau von Fußbodenheizsystemen bei geringer Aufbauhöhe: richtig planen und fehlerfrei ausführen - Marktchance für Trockenbauer, Stuckateure und Maler?". Daniel Lutz erläuterte die Herstellung und den Einbau von Fertigteilestrichen mit eingelegter Fußbodenheizung. "(
) Gipsplatten als Fertigteilestriche holen gegenüber den Spanplatten weiter auf (
)", so Lutz. Als Vorteile von Gipsplatten wurden der höhere Brandschutz und geringere Formveränderungen wie Wölbungen und Schüsselungen genannt. Als Marktchance für Stuckateure und Maler sah der Referent, daß "(
) in Bestandsbauten erst durch die Sanierung der Gebäudehülle der Einsatz von Niedertemperatur-Flächenheizungen erst möglich ist (
)". Daher könne der Handwerker, der eine Sanierung der Gebäudehülle durchführt ein Komplettpaket anbieten. Anhand von abschließenden Ausführungsbeispielen wurde dargestellt, welche Zeitvorteile ein Fertigteilestrich mit eingelegter Fußbodenheizung gegenüber der Ausführung mit eines klassischen Heizestrichs mit Estrichmörtel bietet. So könne z.B. innerhalb einer Woche eine komplette Hotellobby saniert werden, berichtete Lutz.
Über das Thema "Kapillaraktive Innendämmung: Einsatz von speziellen Calciumsilikat-Platten - Schimmel vermeiden, besseres Raumklima schaffen" berichtete Florian Guder, KEIMFARBEN GmbH & Co. KG, Diedorf. Herr Guder erläuterte in seinem Vortrag die unterschiedlichen Einbauarten von Dämmstoffen und die jeweiligen Vor-, Nachteile und Risiken. Zu den wohl verbreitetsten Schadensbildern bei der Innendämmung gehört die Schimmelbildung. Florian Guder erläuterte die technischen Eigenschaften von Calcium-Silikatplatten und wie diese helfen können, Schimmelbildung zu vermeiden. "(
) Bei einer Innendämmung muss stets berücksichtigt werden, daß der Einbau einen Wohnraumverlust zu Folge hat und das System nur mit einer intakten Fassade und ohne Wasserleitungen in den Außenwänden funktioniert. Hier ist die Gefahr des Einfrierens zu groß (
)", erklärte Guder. Auch sei zwingend zu beachten, daß diese kapillaraktiven Systeme nur dann schadensfrei funktionieren können, wenn keine diffusionsdichten Schichten, wie z.B. Latexfarben, aufgebracht werden.
Prof. Dr.-Ing. Andreas Lang, ö.b.u.v. SV f. Baupreisermittlung u. Bauablaufstörungen, Prof. für Bauwirtschaft und Baubetrieb HS Darmstadt, Gesellschafter LHR GmbH & Co. KG, Heppenheim, leistete einen Beitrag mit dem Thema: "Forderungsmanagement & Nachträge: von der Ausschreibung über den Bauvertrag zum Nachtrag, Rendite sichern! Grundsatz der Vergabe nach VOB/BGB, vertragsgerechtes Verhalten, Bauvertrag & Leistungsumfang: VOB-gemäße Nachtragsprüfung". Prof. Dr.-Ing. Andreas Lang erklärte in seinem Vortrag die Ausschreibungsgrundsätze nach § 9 der VOB, Teil A. "(
) Die Leistungen sind eindeutig und erschöpfend zu beschreiben, damit die Nachträge keine utopischen Ausmaße annehmen und die Auftragssummen um ein mehrfaches übersteigen (
)", veranschaulichte Lang die Problematik. "(
) Diese Ausschreibungsgrundsätze gelten nach der Rechtsprechung und Lehre für alle Bauverträge, da sie letztlich in Ausfüllung von Treu und Glauben das zum Ausdruck bringen, was in der Baupraxis als gewerbeüblich und den Beteiligten zumutbar anzusehen ist (
)", so Prof. Lang weiter. Eindringlich warnte der Referent auch davor, sich als Handwerker in die Planungsverantwortung treiben zu lassen, z.B. wenn kurzfristige Entscheidungen zu treffen sind: "(
) Löst der Auftragnehmer Probleme selbst, wird er ggf. Planer mit der vollen Verantwortung, ohne Honorar und handelt ohne Auftrag (
)".
Die Sachverständigen Nils Alfringhaus und Hans-Joachim Rolof aus dem iba-INSTITUT untermalten mit zahlreichen Fallbeispielen aus der umfangreichen Tätigkeit der Bauschadensforschung die Vorträge der einzelnen Referenten.
Bei der Anschließenden Podiumsdiskussion zu den vorgetragenen Themen konnten alle Fragen und Anmerkungen der Teilnehmer in der Runde vorgetragen und geklärt werden. Es fand eine ausgiebige und interessante Diskussion zwischen den Referenten und den Teilnehmern statt.
Achtung - für Interessierte: das Tagungsprogramm abrufen
Alle Teilnehmer erhielten neben dem Zertifikat die seminarbegleitenden Tagungsunterlagen auf CD-ROM. Annette Gottfried & Hans-Joachim Rolof bieten noch einen besonderen Service. Interessierte, die leider verhindert waren, können diese CD schriftlich, per Fax oder unter info@iba-institut.de unter dem Stichwort "Fassade & Raum: richtig dämmen, fehlerfrei verputzen - energetisch optimal" gegen eine Bearbeitungsgebühr abrufen. Für Fragen steht die iba-Hotline 0800/4224678 zur Verfügung.